Die Motorradfamilie


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Irland 2006 Teil 1

Reiseberichte

Das grüne Paradies

Text: Helmut Kaitinnis

Hunderte Wohnmobile und Wohnwagengespanne sind auf dem Weg zur holländischen Nordseeküste, ins gelobte Land vieler Deutscher. „Wieso eigentlich Holland?“ fragte letzte Woche ein holländischer Kunde von uns, während er einen Blick auf unsere Tourenkarte zu Hause warf. Er hatte entdeckt, dass wir auch schon einmal in Holland waren. Ich sagte fast ein wenig entschuldigend: „Es ist schon 25 Jahre her, Jugendsünde sozusagen, 3 Wochen Terschelling.“ „3 Wochen Terschelling? Wie kann man das aushalten? Ich fahre lieber in den Süden, in die Alpen oder nach Marokko“, erwiderte der EU-Mitbürger. „Wie sind denn so die nordischen Länder?“ hakte er nach, als er die vielen eingezeichneten Touren nördlich der üblichen Reiseziele auf der Karte sah. „Traumhaft schön, uns fehlt allerdings noch die logische Fortsetzung nach Westen, zumal wir außerdem bereits in Schottland waren. Deshalb wollen wir nächste Woche nach Irland“ war meine Antwort, die nun kurz vor Arnheim zur Realität wird. Stau, vorbei mit den Erinnerungen, runter von der Bahn, rauf auf die Bahn, wieder Stau, Unfall, in der Mitte durchfahren, weiter auf der Landstraße. So sind wir das zu Beginn oder Halbzeit der Sommerferien von NRW bereits gewohnt. Der Abfahrttermin der Fähre rückt bedrohlich näher, da wir aber immer genügend Reserven einplanen, erreichen wir noch rechtzeitig die Shipping and Boarding Phase der weltweit größten Schnellfähre. Timo ist mächtig stolz, dass dieser Highspeed Katamaran mit seinen Jet-Triebwerken 40 Knoten erreicht und seine Fracht in weniger als 4Stunden von Hoek van Holland nach Harwich bringt.

Ich weiß nicht, was plötzlich in mich fährt, liegt es an der Erinnerung an die kühle Nacht auf dem Campingplatz in Manningtree, dem stahlblauen Himmel oder den moderaten Temperaturen am Vormittag. Auf jeden Fall meine ich beiläufig bei einer Pause kurz vor dem Londoner Autobahnring, das man eventuell durch London Zentrum fahren könnte, weil die Kilometer kürzer sind und man im Vorbeifahren ein paar Blicke von diversen Sehenswürdigkeiten erhaschen kann. Kurz und gut, auf jeden Fall beschließt der Familienrat, bestehend aus meiner Frau Heike, den Kindern Nina, Timo und meiner Wenigkeit, mitten durch den Moloch London zu fahren, obwohl die Wetterprognosen für den heutigen Tag 30° C angesagt haben. Wir reden uns einfach ein es kommt sicherlich keiner auf die blöde Idee bei dieser Hitze durch London zu fahren oder zu laufen. Außerdem ist es Sonntag, und alle Londoner fahren nach Brighton um dort den Tag zu genießen.


Alles läuft hervorragend, bis wir die Tower Bridge erreichen. Von nun an läuft nichts mehr in Richtung Big Ben, außer dem Schweiß in Strömen. Die Öltemperatur erreicht gemessene 150° C, in den Kombis haben wir geschätzte 180° C und wir stellen beruhigt fest, dass unsere Membrankombis wirklich dicht und damit Irland tauglich sind, denn der Schweiß findet nicht die kleinste Lücke zum Entrinnen. Derart gefordert verlässt uns die selbst auferlegte Härte, und wir brechen die Mini Sightseeing Tour ab.
Eine Stunde später stellen wir bei einem gemeinsamen Blick auf die Karte fest, dass die einzige Chance zum Baden in den walisischen Bergen zu suchen ist, weil die Industriegebiete um Cardiff und Bristol nicht gerade zum Baden einladen, also, let’s go west. Die Begrüßung, die Wales Motorradfahrern entgegenbringt, ist richtig nett. Autofahrer werden für die Brückenquerung des Severn mit 4,95 Pfund zur Kasse gebeten, wogegen Bikes die Überfahrt kostenlos erhalten. Wir übernachten in Wales auf dem Lakeside Caravan Park, einem herrlich ruhig gelegenen Platz im Brecon Beacons National Park. Leider besteht die Erfrischung nicht in einem Bad im nahe gelegenen Llangorse Lake, der ist durch einen Schilfgürtel nahezu hermetisch abgeriegelt, sondern mangels Jeton in einer kalten Dusche und einer 8° C frischen Nacht.

Die A40 führt uns am nächsten Morgen durch eine sanfte Hügellandschaft, die nun gar nicht so walisisch anmutet. Das Auge schweift nur über braune Wiesen, denn nach der letzten Heuernte ist wohl offensichtlich länger kein Regen gefallen, und auch heute dominiert azurblau. Meine Eindrücke werden in Llandovery von einer älteren Lady bestätigt, die genauso von diesem selten schönen Tag schwärmt. Außerdem muss sie nach einem interessierten Blick auf unsere Motorradkleidung unbedingt wissen, wer mit wem und mit welchem Fahrzeug fährt. Begeisterung kommt bei ihr auf, als sie hört, dass Heike und ich Selbstfahrer sind und eine lange Gespannvergangenheit haben. Sie ist früher mit Mann und 2 Kindern immer Gespann gefahren, einschließlich verschiedener Urlaubstouren, und liebt es noch heute.

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Mittlerweile drängt die steil am Himmel stehende Sonne zur Weiterfahrt. Selbst hier in den Bergen zeigt das Thermometer 27° C, und mangels dichter Wälder gibt es kaum Schatten. Auf der Anhöhe ca. 3 km vor Fishguard sorgt dann der von der See kommende Nordwind für die erhoffte Abkühlung. Da die Fähre schon bereit steht, wollen wir direkt an Bord rollen, werden jedoch jäh gestoppt. Hier gibt es kein Schengener Abkommen, die Zöllner wollen zu ihrem Recht kommen. Dieses wird jedoch wieder einmal variabel ausgelegt und zwar in Form einer Fragestunde: „Woher? Wohin? Sind das Ihre Kinder? Mit zwei Kindern klappt das ja prima, es dürfen nur nicht mehr werden. Wie lange haben Sie Urlaub???“ Mit einem ehrlich gemeinten „Enjoy your holiday“ werden wir letztlich von Britannien entlassen, natürlich ohne unsere Papiere gezeigt zu haben.

Auf dem Sonnendeck genießen wir die extrem ruhige Irische See, ich hole mir zum Lesen eine irische Tageszeitung und damit kommt die Ernüchterung. 29° C sind für den nächsten Tag im Südosten Irlands angesagt. Aber zum Glück soll es danach schrittweise etwas kühler werden. Daher wird kurzfristig die Route etwas mehr als Badeurlaub geplant, denn Sightseeing bei den Temperaturen hatten wir in diesem Urlaub schon. Zur Umsetzung des Planes benutzen wir den „South East Coastal Drive“, eine von mehreren sehr gut ausgeschilderten Touristenrouten in Irland, um uns immer in Küstennähe nach Süden vorzutasten. Im Gegensatz zu den langen Sandstränden der Ostküste findet man hier schon oft Steilküste vor, die von sehr fotogenen Sandbuchten unterbrochen wird.

Die Morgenfrische des folgenden Tages nutzen wir direkt aus und steuern die Old Midleton Distillery von Jameson an. 1785 wurde die Brennerei erbaut, produziert wird mittlerweile woanders. Dafür ist sie jedoch voll im Trend der modernen Vermarktung angekommen, was durch die Reisebusse auf dem großen Schotterparkplatz bestätigt wird. Darüber hinaus sind die Preise höher als in Deutschland. Also kaufen wir nur die kleine Probensammlung für den „gemeinen Touri“, verzichten auf die Whiskeytour und fahren lieber nüchtern zur Küste, wobei wir ein weiteres Opfer zu beklagen haben. Diesmal ist es die Stadt Cork, angeblich äußerst sehenswert, voller Leben, aber dieses Wetter muss man einfach anders nutzen.

Die Alternative außer Baden heißt Kinsale, eine wunderschöne kleine Hafenstadt, die an die Cote d’Azur erinnern soll, was wir jedoch nicht bestätigen können. Die Cafes direkt am Jachthafen fehlen, dafür meint man bei einem Bummel durch die engen Gassen, die Bewohner suchen die Farbe ihrer Häuser nur nach einem Kriterium aus: Die Farbe darf in dem gleichen Ort noch nicht verwendet worden sein. Das Resultat ist eine unglaubliche Vielfalt bunter Häuser, teilweise extrem schräge Farben und in den krassesten Kontrasten zum Nachbarhaus. Dabei hatte ich zu Hause beim Stöbern in den Irlandbildbänden immer gedacht, es gibt nur wenige Handvoll bunter Häuserzeilen in Irland.

Allen Prognosen zum Trotz zeigt das „Irische Wetter“, dass man immer auf jede Situation gefasst sein sollte, es fängt leicht an zu regnen. Also haben die Iren doch Recht, oder waren es die Schotten, die immer behaupten: Wenn morgens die Sonne scheint regnet es am Nachmittag, oder umgedreht. Also wird es nichts mit einem Irisch Coffee im Straßencafe, stattdessen geht’s weiter auf der „West Cork Coastal Road“ gen Süden, wobei die nächste Rast am Old Head of Kinsale nur wenige Fahrminuten auf sich warten lässt. Die Spitze dieser wild zerklüfteten Halbinsel ist von einem Golfclub in Beschlag genommen, was mit einer Schranke nebst Schrankenwärterhäuschen eindrucksvoll demonstriert wird. Beim Anblick, der sich uns bietet, kann man nur feststellen, Geschmack haben sie ja. Zum Glück kann man aber direkt vor der Schranke nach rechts abzweigen und nach zwei Minuten Fußweg einen spektakulären Blick auf die Brutstätten von tausenden Seevögeln werfen, die in den senkrechten Felswänden brüten. Ein Möwenpaar mit einem Jungen brütet nur wenige Meter entfernt und damit sehr kamerafreundlich. Die Kinder sind natürlich gleichermaßen begeistert.

Bei der Suche nach dem nächsten Campingplatz fällt mir auf, dass zumindest in dieser Gegend die Plätze nicht direkt am Meer sondern eher im Hinterland zu finden sind. Vielleicht soll die Küstenlinie möglichst unverbaut und ursprünglich bleiben, was man ja gerne akzeptiert, wenn man die katastrophalen Bausünden von vielen Teilen des Mittelmeers kennt. Trotzdem sind wir natürlich froh den Campingplatz Clonakilty mit Blick auf eine Meeresbucht so vorzufinden, wie er im Reiseführer beschrieben wird. Das Auge der Eltern sagt zwar, „schade leider ist gerade Ebbe“, andererseits ist es für die Kinder genau der richtige Abenteuerspielplatz. Mit einem kurzen „Tschüss bis später“ verabschieden sie sich zum Krebse und Muscheln sammeln. Die Eltern nutzen die Nähe zum Ort für kulturelle Interessen, die sich in diesem Fall auf den größten Exportschlager Irlands beziehen, das Guinness. Perfekt gezapft und in einem urgemütlichen Pub getrunken, das hat schon was und ist mit Sicherheit nicht nur kulinarischer Genuss sondern ein wichtiger Bestandteil der irischen Kultur. Zum Glück haben wir von unseren Kindern nur Ausgang für ein Bier erhalten, wer weiß, was sich sonst aus einem Abend im Pub entwickeln könnte.

Am nächsten Morgen wabern dichte Nebelschwaden durch die Bucht, was liegt daher näher als ein weiterer Gang in die Stadt. Zuerst müssen die Eltern dafür sorgen, dass einer der Pflichtprogrammpunkte der Kinder zur Realität wird, Whale-Watching. Dank Vermittlung der Touristeninfo klappt es mit der Buchung für den nächsten Tag. 100 € kostet ein Familienticket für die 4 Stunden Tour. Nach dem obligatorischen Einkaufsbummel der „Frauen“ wagen sich Nina und ich an eine kulinarische Spezialität in fester Form, die sich anscheinend auf die gesamten Britischen Inseln verbreitet hat. Fish and Chips mit Essig ist für den deutschen Gaumen eine harte Probe, der Mut wird aber nicht belohnt. Ohne ausdrücklich „mit Essig“ bestellt zu haben, will uns wohl der Küchenchef des Restaurants verschonen und bereitet die Pommes bieder und fast schon ein wenig belgisch zu. Da hätten wir auch gleich, wie Heike und Timo, etwas anderes bestellen können. Die Rechnung in Höhe von 60 € für vier kleine, einfache Gerichte mit einem Getränk ist auf jeden Fall dem Preisniveau Irlands angemessen.
Mittlerweile hat sich der Nebel gelichtet und die steil am Himmel stehende Sonne treibt die Temperatur sofort auf sommerliche Werte. Somit steht die nächste Aktivität des Tages schon fest. Baden am Inchidoney Beach, der außerordentlich schön sein soll. Also rein in die obligatorische Schutzkleidung, denn der Strand liegt ein paar Kilometer entfernt an der Spitze einer Halbinsel. Als endlich der angepriesene Streifen Sand in Sichtweite gerät, sind wir alle äußerst positiv überrascht. Die Spitze der Halbinsel ist eingerahmt von felsiger Steilküste, dazwischen ist ein ca. 2 km langer, sehr breiter, goldgelber Sandstrand, welcher wiederum durch einen ins Meer ragenden Felsvorsprung geteilt wird. Schöner kann ein Strand kaum sein. Hinzu kommt die tolle Brandung, knapp 20° C warmes Wasser und letztendlich eine Abendsonne, die die ganze Szenerie in ein traumhaft warmes Licht taucht. Kann ein Tag schöner enden?

„Wie ist das Wetter“, fragt Heike verschlafen aus dem Schlafsack. Prima, 15° C Nieselregen, trüb und windstill antworte ich und denke an die bereits bekannte Wetterregel. Folglich scheint heute Mittag die Sonne, also auf zum Wale jagen. Die Strecke zum Rainpier ist die bisher schönste Strecke auf der grünen Insel, und die Sonne lässt tatsächlich immer häufiger ihre wärmenden Strahlen durch die Wolkendecke blinzeln. Am Hafen angekommen herrscht eitel Sonnenschein, aber es ist außerdem sehr windig geworden. Der Skipper blickt immer wieder kritisch zum Himmel. „It’s a little bit rough today“ murmelt er ständig vor sich hin und lässt das Herz der Kinder in die Hose rutschen. Eine abgesagte Walsafari wäre für sie ein Desaster. Schließlich geht’s doch los und wie, kaum ist das offene Meer erreicht beginnt der Katamaran einen Affentanz mit den Wellen aufzuführen, oder ist es anders herum? Ungeachtet dessen stellt der Kapitän die Motoren auf Vollgas und das Ruder auf Voraus, und klettert aufs Dach der Kajüte um nach Walen Ausschau zu halten, unglaublich. Alle Passagiere können sich nur mühsam, überall festklammernd an Deck bewegen und der steht da oben und hält sich nicht einmal fest. Na, Hauptsache er sieht mal einen Wal. Stunde um Stunde vergeht, die Küste ist kaum noch zu sehen, Wale aber leider ebenfalls nicht. Abwechslung bringen immer nur Schwärme diverser Seevögel, denen wir bei ihren unterschiedlichen Fangmethoden zuschauen können. Der Skipper ist ebenso wie wir etwas traurig und berichtet, dass die Wale leider immer häufiger ausbleiben. Dabei gilt die Irische See als gute Adresse für Whale-Watching. Zur Entschädigung fährt er immerhin zu einer Seehundkolonie, deren Mitglieder wohl sehr standorttreu sind und wenig Scheuzeigen. So kommen Kinder und Fotografen doch noch auf ihre Kosten und außerdem erhalten wir zum Abschied 20 € feiwilligen Rabatt.

Nichts ist beim irischen Wetter so beständig wie der Wandel, aber manchmal verursacht es auch ein Déjà-vu. Starker Nieselregen und diesmal windig, so begrüßt uns der nächste Morgen, und ich komme wieder mit dem Spruch: „Ich liebe dieses Wetter, weil dann ab …“, allerdings hatten wir das ja schon. Nur heute steht leider Packen auf dem Programm, der Süden ruft. Dieser kündigt sich anschließend an der Roaring Bay an, wo die Landschaft endgültig ihr Gesicht ändert. Karger, weitläufiger, weniger Kulturland, das Hügelland weicht richtigen Bergen und natürlich scheint die Sonne wieder, so kann es weitergehen.

Als ersten der fünf Finger im Südwesten haben wir uns die Halbinsel Beara ausgeguckt. In Castletownbere, dem größten irischen Fischereihafen, lernen wir einen deutschen Fernfahrer kennen, der seit kurzer Zeit in Irland lebt. Stolz schwärmt er von dem Wirtschaftsboom im ehemaligen Armenhaus Westeuropas, seinem Tageslohn von 100 €, der sich bis auf 150 € steigern kann und das seine Freundin genauso wie er bereits Arbeit hat und bei ihm lebt. Auch dies ist eine Seite der EU, deutsche Billigarbeitskräfte im Ausland.

Kurze Zeit später nimmt die grandiose Landschaft an der Spitze der Halbinsel meine Gedanken gefangen. Wir blicken auf Dursey Island und staunen über die tollkühne Cable Car, die das Festland mit der Insel verbindet. Bei derart vielen Eindrücken, die selbstverständlich ebenfalls auf Film gebannt werden müssen, ist es nicht verwunderlich, dass der Tagesschnitt in den Keller geht. Der Tag wird daher bereits in der wunderschönen Bucht von Ballydonegan beendet. Hier fällt mir das erste Mal auf, welche besonderen Kontraste Irland bietet. Einerseits meint man bei einem Blick auf die kahlen Berghänge man wäre auf der Isle of Skye, andererseits gedeiht am Wegesrand überall suptropische Vegetation. Kein Wunder, gibt es doch hier viele Orte am Meer die seit 30 Jahren keinen Frost mehr hatten, dem Golfstrom sei Dank.

Warum der Ring of Beara für Omnibusse gesperrt ist, merkt man auf der Nordseite. Weitestgehend einspurig, schlängelt sich das Sträßchen flankiert von hohen Hecken, die einem oft die Sicht nehmen aber ebenso tolle Ausblicke zulassen, an der Küste entlang. In dem kleinen Dorf Eyeries,das aufgrund der bunten Häuser bekannt ist, machen wir eine längere Pause. Allerdings ordnen wir diese bunten Orte endgültig der irischen Normalität zu, was unserer Begeisterung keinen Abbruch tut.

Trotz der zeitraubenden Strecke gönnen wir uns einen Abstecher auf den Healy Pass. Mit 330 m ist er einer der höchsten Gebirgsstrecken Irlands. Wenn ich diese Höhe mit dem Sauerland vergleiche, ist es unglaublich welche Hochgebirgsszenerie sich in dieser Höhenlage präsentiert. Allein der Blick auf den Glanmore Lake ist jeden Meter wert. Danach können wir endlich einmal Kilometer machen und fahren zügig bis zum Ring of Kerry. Dieser berühmteste „Ring“ zählt zum Pflichtprogramm jeder Irland Rundreise, was man sofort auf den ersten Metern merkt. Reisebusse und viel sonstiger Verkehr, davon waren wir bisher verschont geblieben. Von daher ist man froh nicht ständig die auf den rot-weißen Schildern angegebene Geschwindigkeiten erreichen zu müssen. Diese sind in Irland so großzügig ausgelegt, dass man eigentlich nie von einer Beschränkung reden kann. Hierzu muss man etwas über die Straßenverhältnisse erwähnen. Diese sind, wenn man mal die Neubaustrecken der großen Verbindungsstraßen außen vor lässt, nicht gerade komfortabel. Meist schmal, viele Schlaglöcher und viele Bodenwellen, teilweise extrem ausgeprägt, fordern sie die Fahrwerke der Maschinen bis zum Grenzbereich. Dieses hätten wir so nicht erwartet. Der Vorteil auf den kleinen Straßen ist aber wiederum die schlechte Ausschilderung. Um sich zu orientieren fährt man oft so langsam, dass man wenige Probleme mit dem Fahrwerk hat. Eine rühmliche Ausnahme bieten allerdings die mit braunen Schildern markierten Touristenrouten, wie z.B. der Ring of Kerry, an dem wir nun unser Quartier für zwei Nächte auf dem empfehlenswerten Caravan ParkWave Crest aufschlagen.

Am nächsten Tag werden die Kinder mit zwei Argumenten vom Strand weggelockt. Erstens wollen wir das alte „Staigue Stonefort“ erkunden und danach als Höhepunkt des Tages eine Schokoladenfabrik besichtigen. Das von den Kelten errichtete Steinfort ist eines der besterhaltenen Irlands und beeindruckt mit seiner mörtellosen Konstruktion von 4 m breiten und 6 m hohen Mauern. Es liegt traumhaft schön in einem fruchtbaren Hochtal mit perfektem Panoramablick bis aufs Meer.

Die Schokoladenfabrik in der St. Finnans Bay hat sich auf feinste Schokoladen und Trüffel spezialisiert, die man vor dem Kauf alle probieren darf, welch ein Schlaraffenland für kleine und große Leckermäuler. Nachdem wir den Einkauf beendet haben, fängt der Chef der Firma an über die hohen Preise in Irland zu stöhnen und möchte wissen ob in Deutschland auch alles so teuer ist. In Irland gibt es z.B. bis zu 60% Steuern auf Autos und Schokolade ist kein Nahrungsmittel sondern Genussmittel was wiederum mit 25% belegt wird. Als er hingegen andere Kosten aus Deutschland hört wie z. B. die Wasser- und Abwasserkosten wird er ein wenig kleinlaut, denn in Irland ist Wasser für Privatleute kostenlos; und bei einem Blick aus dem Fenster stelle ich fest, dass jeder Ire privaten Konkurs anmelden müsste, wenn für Wasser welches vom Himmel fällt eine Abwassergebühr fällig wäre. Dem Besuch der Fabrik habe ich nicht ganz ohne Hintergedanken zugestimmt, denn sie liegt am „Ring of Skellig“ einer omnibusfreien Nebenstrecke zum Hauptring. Trotz strömenden Regens genießen wir die spektakuläre Strecke nebst Fotostopp in dem malerischen Fischerort Portmagee. Sie ist für uns der schönste Teil der Kerryhalbinsel.

Nach der zweiten Nacht auf „Wave Crest“ bessert sich das Wetter noch nicht entscheidend. Der Coomakesta Pass in gut 200m Höhe liegt bereits in Wolken. Also absolvieren wir die paar Kilometer bis Killarney in einem Rutsch. Wer nur wegen der Landschaft oder der Einsamkeit nach Irland gekommen ist, sollte um diese Hochburg des Tourismus einen großen Bogen machen. Ansonsten kann man natürlich mal ein wenig die Annehmlichkeiten solcher Orte genießen, bevor die Wege wieder in die grüne Weite der Insel führen. Die Auswahl die sich in Killarney bietet ist enorm, reichlich Vier- und Fünf-Sterne Hotels und ferner ein paar Drei-Sterne Hotels für die Armen, unzählige Restaurants und Pubs und die Geschäfte haben alle bis 10:00 PM geöffnet.

Vor den Toren der Stadt gibt es außerdem Muckross, ein feudales Herrenhaus mit angegliederter Buchbinderei, Weberei und Töpferei, deren Erzeugnisse in dem großen Shop feilgeboten werden. Wir entscheiden uns für den Besuch der Traditional Farm, einem Freilichtmuseum, das nichts Spektakuläres bietet, aber durch viel Liebe zum Detail glänzt. Es arbeiten hier viele Leute unter traditionellen Bedingungen, das Interieur ist auffallend umfassend und wir haben Glück; eine Besucherin veranstaltet in einem Bauernhaus eine kleine, improvisierte Session auf einer Tin Whistle, der irischen Flöte, und die junge Tochter gibt ihre Tanzkünste zum Besten. Bei der anwesenden alten Bäuerin strahlt das ganze Gesicht, so bleibt altes Kulturgut erhalten. Auch wenn man nicht gerade ein Fan der Heimatmusik ist, muss man zugeben, das hat Stil.

Am Lady View genießen wir den Blick über die Seenplatte bis Killarney, bevor wir endlich wieder von der Hauptstrasse wegkommen und auf die Single Track Road zum Gap of Dunloe abzweigen. Die Freude ist leider nur von kurzer Dauer, denn ab dem Abzweig zum Upperlake kommen uns Pferdekutschen entgegen. Als schließlich, zudem noch an der steilsten Stelle, ein Autofahrer seine 1,5 t Blech wenden möchte, ist der Zusammenbruch sämtlicher Verkehrsaktivitäten endgültig gesichert. Mittlerweile hat auch der Himmel alle Schleusen geöffnet und so haben wir wenigstens genügend Zeit die Pauschaltouristen auf den Kutschen in Ruhe zu betrachten. In kurzer Hose, T-Shirt, Top, Sandalen usw. versuchen sie sich verzweifelt unter einem Regenschirm oder irgendwelchen Plastikplanen mit Guckloch zusammen zu kuscheln. Der Anblick ist einfach nur jämmerlich und der Imageschaden für die eigene Spezies enorm. Hat die Reiseleitung denen nicht gesagt, dass es in Irland manchmal regen kann? Wie spektakulär die Schlucht nun wirklich ist, kann ich bei diesen Randbedingungen nicht beurteilen. Leicht genervt beschließen wir die Halbinsel Dingle auszulassen und unvermittelt Kurs Nord einzuschlagen.

Die 20 Minuten der unspektakulären Überfahrt über den Shannon River wird mir durch ein Gespräch mit einem irischen Renterpaar verkürzt. Sie fragen mich, ob ich schon mal mit meiner Maschine bei ihrem Zweitwohnsitz in St. Petersburgh/Florida war, weil sie dort schon öfter solche Alukoffer gesehen habe. Als ich verneine und erwidere, dass es in Deutschland mehrere Hersteller für diese Kofferart gibt, sind die beiden älteren Herrschaften schon etwas verwundert. Weiterhin gibt er mir schnell mit auf den Weg mit welchem Moped er manchmal immer noch die Gegend unsicher macht. Eine der legendären Ariel 500ccm ist sein ganzer Stolz, von dem er mir gerne mehr berichten würde, aber schon müssen alle Fahrzeuge das offene Deck der kleinen Fähre verlassen.

Da wir heute nicht vom Regen in die Traufe kommen wollen, fahren wir im Angesicht der gigantischen Busparkplätze an Irlands Touristenziel Nummer 1, den Cliffs of Moher, vorbei und schlagen unsere Zelte beim Hafen von Doolin auf. Von dort kann man ebenfalls in der Ferne die senkrechten Klippen sehen, was mir kurz darauf nicht mehr reicht. Weil das Wetter gerade ein tolles Abendlicht vorbereitet, fahre ich schnell noch einmal zu den berühmten Steilfelsen. Die Entscheidung ist nicht schlecht, kein Bus ist mehr auf dem Parkplatz, dessen Wächter winkt mich kostenlos durch, das Licht ist klasse, hinzu kommt zum Schluss eine Nebelbank vom Meer herangezogen, das versöhnt.
Am Abend feiern wir nach neun Tagen Irland Halbzeit auf der Atlantikinsel bei einem gepflegten Guinness im legendären O’Connors Pub. Der ist, zusammen mit den zwei anderen Pubs in Doolin, bekannt als das Mekka der irischen Volksmusik. Wir haben Glück, vier Musiker haben sich zusammen gefunden und starten eine Session. Wie überall in Irland üblich, sind viele Familien mit Kindern anwesend, was aufgrund der absoluten Rauchfreiheit in Lokalen unbedenklich ist. Stilvoller kann man schlecht feiern.

Morgens weckt uns strahlender Sonnenschein. Die Kinder Nina und Timo klettern in den Felsen am Strand herum, während die Eltern die wärmenden Strahlen der Sonne und die Aussicht auf die über 200 m hohen Cliffs of Moher genießen. Diese kann man von fast jedem Punkt der ebenen Zeltwiese mit dem englischen, pardon, irischen Rasen aus sehen, also beschließt die Familie eine Nacht auf dem empfehlenswerten Platz anzuhängen.

Mittags starten wir zu einer Runde durch die Burren. Bei dem Steinfort Caherconnel investieren wir lieber 12 € in Kaffee und Limo als ins Eintrittsgeld für eine Familie und bewundern die mittlerweile äußerst karstige, unwirtliche Landschaft. Da sämtliches Oberflächenwasser sich hier umgehend einen Weg nach unten sucht, um in den Tiefen des Karstes zu verschwinden, ist es hier tatsächlich möglich zu verdursten.
„Kein Baum, an dem man einen Mann aufhängen, kein Tümpel, worin man ihn ersäufen, keine Erde in der man ihn verscharren könnte“, soll bereits um 1650 der englische Feldheer Oliver Cromwell oder einer seiner Offiziere dieses Kalksteingebiet sarkastisch perfekt beschrieben haben. Kurzerhand wies man es also den fast überall vertriebenen Katholiken zu. Heute sind die Höhen fast menschenleer und passen überhaupt nicht in das klischeehafte Bild des grünen Irlands.

Über den Ort Ballyvaghan geht es nun immer am Meer entlang, zur linken die steilen, felsigen Abbrüche der Burren Ebene. Nach dem herrlich sonnigen Tag setzt bei der Ankunft in Doolin typisch irischer Nieselregen ein, der aber von Iren sicherlich noch als dry bezeichnet wird. Nachts geht dieses Nieseln in eine handfeste, stürmische und sehr nasse Phase über, so dass unsere Zelte endlich einmal ihre Qualitäten unter Beweis stellen können und wir morgens die imponierende Brandung bewundern dürfen, getreu der Devise: Jedes Wetter hat seine Vorteile.
Bei den vielen, kleinen, in den Karten eingezeichneten Castles handelt es sich oft lediglich um Wehrtürme die in Privatbesitz sind und daher nicht einmal besichtigt werden können. Anders verhält es sich beim Dunguaire Castle, welches fast ein wenig an das berühmte Eilean Donan Castle in Schottland erinnert. Das Innere ist nicht spektakulär, gibt aber einen guten Eindruck unter welchen Umständen die Menschen damals in den Wohntürmen gelebt haben.

So viel Kultur macht hungrig, was sich beim nächsten Hinweisschild auf frischen Lachs in Form einer Vollbremsung bemerkbar macht. Außer 200 gr. Lachs für 4 € erhalten wir gratis den Tipp von der Chefin, dass in Galway Künstlerfestival ist. Da der größte Ort des irischen Westens als sehr lebendige, junge Stadt bekannt ist, was ja zu uns passt, beschließen wir den Tag bereits nach 75 km zu beenden. Der Campingplatz bei Galway liegt direkt am Meer, in einer ausgedehnten Sandbucht. Das sollte man selbstverständlich ausnutzen und mal eben ins Wasser hüpfen. Als wir schließlich nach einer halben Stunde wieder zurück sind, weiß keiner von uns, ob wir mehr gelaufen oder geschwommen sind. Letztlich ist die erfrischende Wirkung des Bades doch minimal größer als die Anstrengung des Fußmarsches durch das seichte Wasser.

Unser Domizil liegt ideal für eine Stadtbesichtigung. Eine Familie kann für 4,30 € in einer halben Stunde den Eyres Square im Herzen der City erreichen, wo die Fußgängerzone beginnt, die sich bis zum Hafen zieht und in der sich das ganze Festival abzuspielen scheint. Ein Blick auf mein Barometer sagt mir, dass wir diesen lauen Sommerabend genießen sollen, denn 16 hPa Luftdruckabfall in 24 Stunden lassen nicht gerade auf eine lang anhaltende Schönwetterlage schließen. Aber fährt man deswegen nach Irland? Sicher nicht, also rein ins Getümmel, was durchaus wörtlich zu nehmen ist. Ganz Galway hat sich anscheinend auf den Straßen versammelt, um auf Gäste aus aller Welt zu warten. Sitzplätze vor den unzähligen Bars sind nicht zu ergattern, aber getreu dem Motto „Lieber ein stadtbekannter Trinker als ein …“ genießt man auf jeden Fall draußen sein Pint of Guinness oder ein Helles, was offensichtlich gerade bei den Jüngeren ziemlich in Mode gekommen ist. Trotzdem machen wir einmal einen Abstecher ins Quay, denn wie unser Reiseführer beschrieben hat, besticht dieses Traditionslokal durch sein Inneres, das teilweise aus einer schottischen Kirche stammt. Es ist wirklich beeindruckend, mangels weiterer Gäste erinnern wir uns jedoch lieber an den alten Song von Marius M.W.: „Ich möcht zurück auf die Straße …“

Auf dem Rückweg machen wir oft Halt bei den zahlreich gewordenen Künstlern. Dabei kann Timo sogar aktiv ins Geschehen eingreifen und die Fackeln von einem Jongleurpärchen halten, bevor sie Dieselbigen ihm um die Ohren schleudern. Mir wird ganz anders beim Zugucken. Timo nimmt es hingegen mit einer äußeren Gelassenheit hin.

Der Luftdruck ist nachts um weitere 5 hPa auf nunmehr 1000 hPa gefallen, es ist sehr windig und ein erster kleiner Schauer kündigt die von mir erwartete Front an.
Hinter Galway ändert sich die Landschaft rasch. Man verlässt die südirische Kulturlandschaft mit den Getreidefeldern und glücklichen Kühen und ist urplötzlich in einer hügeligen, mit Seen gespickten Gegend einschließlich nordischer Vegetation und Schafen.

Die Mittagspause verbringen wir am größten irischen See, dem Lough Corrib. Mittlerweile weht ein sehr starker Wind, auf dem See bilden sich Schaumkronen und alles muss gegen unerlaubtes Entfernen gesichert werden. Auf der N59 beim Lough Bofin wird der Wind endgültig zum Sturm. Bei der Schräglage, die wir auf gerader Strecke einnehmen, ist es unmöglich 50 mph zu fahren. Ständig bekomme ich Gewissensbisse was schöner ist: Hecken die Windschutz bieten oder freie Flächen, die den Blick auf diese wunderbare Landschaft freigeben. Nachfolgend biegen wir rechts auf die R336 und kurz danach auf die R345 Richtung Cong ab. Hier können wir beobachten wie Wasser vom Sturm über den See gepeitscht wird und zwar derart heftig, dass sich ganze Wasserhosen in die Luft erheben. Wunderschön beobachten kann man, wie sich von Süden die Schauer über den Lough Corrib nähern. Bevor uns einer dieser Wolkenerleichterungen per Starkregen erreicht, flüchtet die Familie lieber in das Hungry Monk Café in Cong, wo wir Capuccino, Schokolade und deliziöse, selbstgebackene Muffins mit Eis genießen.

Am Ortsausgang ereilen mich unbekannte Orientierungsprobleme weil die Hinweisschilder zwar noch zweisprachig wie überall in Irland sind, diese Zweisprachigkeit sich allerdings auf die beiden gälischen Dialekte beschränkt. Englische Ortsnamen sucht man vergeblich, also hilft nur die richtige Himmelsrichtung, ist ja kein Thema bei den bleiernen Wolkenvorhängen am Firnament.


Bei Finny wird es dann absolut dramatisch, jetzt müssen wir erst einmal den Schutz einer alten Steinmauer aufsuchen und dieses faszinierende Wetterschauspiel beobachten und analysieren. Im Taleinschnitt vor uns ist nichts mehr zu sehen, außer tief hängende Wolken, regenschwer, hin und her gepeitscht vom Sturm und mit einer unglaublichen Dynamik versehen, die sich immer wieder in peitschende Regengüsse entlädt. Unerwartet gestattet das Wetter eine kurze Verschnaufpause. Wir reißen uns schnell von dem Anblick los und fliehen schleunigst über den Pass und hinab zum Fluss Joyce, wo es tatsächlich wieder trockener wird.

Hinter Leenane lugt zum Tagesabschluss die Sonne zwischen den Wolkentürmen hervor, taucht die Landschaft um den Meeresarm Killary Harbour in ihr wärmendes Abendlicht und bietet meiner Fotografenseele ein Bonuskapitel. Die Fortsetzung folgt auf dem Camping Renvyle Beach, für 18 € erhält man einen Platz direkt am Strand, freie Sicht auf den mit 817m höchsten Berg Connemarras und einen zwischen imposanten Wolkengebilden im Meer versinkenden glutroten Feuerball. Als danach unser Nachbar meint, es sei heute sicherlich kein schönes Wetter zum Motorradfahren gewesen, schildere ich ihm mit Begeisterung die Erlebnisse der letzten Stunden. Nickend aber mit vollkommen verständnislosen Augen zieht er von dannen, nicht ahnend, dass es zwischen Motorradfahren und Motorradreisen sicherlich entscheidende Unterschiede gibt.
In der Nacht gehen weitere kräftige Schauer von Sturmböen begleitet nieder. Am nächsten Morgen zeigt sich aber schon wieder ein wenig die Sonne und der Balken auf meiner Uhr, der für den Luftdruck zuständig ist, klettert aus den Niederungen der Skala empor.

Also brechen wir frühzeitig zu einer Connemara Rundreise auf. Als Erstes liegt das ehemalige Lustschloss Kylemore Abbey am grünen Wegesrand. Wir ersparen uns jedoch im wahrsten Sinne des Wortes einen Besuch des heutigen Klosters, da Erwachsene und Kinder ab 12 Jahre 11 EUR Eintritt zahlen sollen. Die sich ergebende Summe von 33 EUR ist höher als eine vergleichbare Familie für das Schloss Neuschwanstein zu entrichten hätte. So begeben wir uns an die Umrundung der Twelf Pins im Uhrzeigersinn. Die N59 führt durch ein baumloses, menschenleeres und von schroffen, spektakulär wirkenden Gipfeln eingerahmtes Hochtal. Nicht einmal ein verlassenes Cottage würde hier Schutz bieten, denn es gibt hier einfach nichts. Am Loch Inagh nutzen wir den Windschatten eines Bootshauses um Kraftnahrung zur Bewältigung der weiterhin heftigen Sturmböen zu tanken.

Im weiteren Verlauf führt uns die R340 durch eine völlig geänderte Landschaft. Hier gibt es nun Hochmoore aus denen der Torf in Ballen gestochen wird. Es ist sehr flach und wenn nicht am Horizont die Twelf Pins ihre Gipfel in den von Wolkenfetzen umtosten Himmel recken würden, könnte man sich wie in Finnland fühlen. Durch dünn besiedeltes Gebiet geht’s immer am Meer entlang in Richtung Roundstone. Es herrscht Ebbe, also ist das Meer in weiter Ferne, sonst gäbe es bei dem Sturm und Südwestwind sicherlich eine echte Sturmflut. Wir haben Sonntagnachmittag und in Roundstone, das vom Hummerfang und Tourismus lebt, herrscht Hochbetrieb. Die Straße durch den Ort führt durch einen langen Engpass. So können wir während einer Cola-/Kaffeepause sehr schön das quirlige Treiben beobachten und feststellen, dass die Iren einen Stau vor einem Engpass mit einer anderen Einstellung entgegentreten, als der eine oder andere Südeuropäer. Mindestens 15 Minuten bewegt sich nichts, weil sich in der Mitte des Engpasses die Autos von beiden Seiten hoffnungslos festgefahren haben. Trotzdem hört man keine Hupen, schließlich ist dies in geschlossenen Ortschaften verboten, und es ist keiner in Gefahr. Apropos Gefahr, die Gefahrenstufe seitens der irischen Schilderverteiler wird etwas anders, als wir Deutsche dies gewohnt sind, ausgelegt. Reduce Speed steht freundlicherweise an irischen Baustellen und Engpässen ohne jedoch die Höchstgeschwindigkeit von 100km/h einzuschränken. Grundsätzlich kann man beobachten, dass Warnschilder nie mit Geschwindigkeitsbeschränkungen verbunden werden. Selbst vor einspurigen Brücken steht höchstens slow und damit weiß der mündige Autofahrer, dass man seine Geschwindigkeit der Situation anpassen sollte. In Deutschland wäre es die perfekte Gelegenheit um gleich einen Schilderwald aufzustellen.

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